Die Botschaft aus Tirschenreuth: Gartenbaustädte sind Gewinnerstädte!

Die Besuchergruppe aus Furth im Wald mit ihren Gastgebern auf dem Marktplatz in Tirschenreuth. Der positive Bürgerentscheid für die Neugestaltung war ausschlaggebend für „Natur in Tirschenreuth 2013.“ (Bildquelle Landesgartenschau 2025).

Delegation aus Furth im Wald auf Info-Tour in der nördlichen Oberpfalz – Projekt war „Urknall für nachhaltige Entwicklung der Stadt“

Furth im Wald/Tirschenreuth. Elf Jahre ist dieGartenschau in Tirschenreuth vorbei und noch immer reden die Beteiligten voller Begeisterung von diesem Ereignis. Für Bürgermeister Franz Stahl war es „der Urknall für die nachhaltige ökologische Entwicklung der Stadt.“ Mitgliedern des LGS-Teams und der Stadtverwaltung Furth im Wald gab er in einer informativen Gesprächsrunde die Botschaft mit: „Jede Stadt, die eine Gartenschau bekommt, ist eine Gewinnerstadt!“ Vor dem großen Erfolg in Tirschenreuth musste ein großer Stolperstein weggeräumt werden. 2007 fand ein Bürgerentscheid zur Neugestaltung des Marktplatzes statt, Ergebnis unsicher. Zum Glück aber sei die Abstimmung positiv ausgegangen, sonst wäre die Gartenschau wohl nicht gekommen, warf Franz Stahl einen Blick auf die Anfänge zurück.  “Wenn es schon nicht gelingt, das Wohnzimmer aufzuräumen, was soll dann überhaupt klappen?“, beschrieb Architekt Peter Brückner die Ausgangslage. 

Der positive Bürgerentscheid habe den Meinungsumschwung gebracht. „Ab diesem Zeitpunkt ist im Stadtrat in dieser Sache nie mehr Parteipolitik gemacht worden, denn Parteipolitik lähmt“, sagte Architekt Peter Brückner der Besuchergruppe aus Furth im Wald. Diese war am Mittwoch in die nördliche Oberpfalz gefahren, weil ihr die Gartenschau in Tirschenreuth immer wieder als Vorzeigeprojekt genannt worden war.  LGS-Geschäftsführer Robert Sitzmann, Kerstin Hofmann, zuständig für den Bereich Ausstellung und Betrieb, Dorothee Simeth vom Marketing, Pressereferentin Heidi Wolf, Baukoordinator Josef Beer und Alois Stoiber, Leiter des städtischen Bauamtes, kamen mit einer Reihe von Fragen, vor allem: Was können wir von Tirschenreuth lernen? Wo gibt es Parallelen zwischen den beiden Städten? Was bringt eine Landesgartenschau über die Veranstaltung hinaus? Antworten gaben neben Stahl und Brückner Stadtbaumeister Andreas Ockl, Franz Häring, städtischer Geschäftsführer von „Natur in Tirschenreuth 2013“, Cornelia Stahl, während der Veranstaltung und danach für die Gästeführungen verantwortlich, und Mirko Streich, der zuständige Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der inzwischen das Bürgermeisterbüro leitet. 

„Gartenschauen haben Nachhall“ zog Franz Häring Bilanz. Er berichtete von der Gründung des „Fördervereins Fischhofpark“ während der Landesgartenschau, der von ursprünglich 99 auf inzwischen 500 Mitglieder angewachsen sei. Der Familienbeitrag pro Jahr betrage 48 Euro. Nur dieser Verein dürfe das Gartenschaugelände bespielen, zum Beispiel mit dem Kultursommer und den Gartentagen. Im Frühjahr und Herbst fänden Pflanz- und Aufräumaktionen statt, denn „der Fischhofpark wird von den Leuten als ihr Wohnzimmer betrachtet“, sagte Franz Häring. „Wenn die Landesgartenschau vorbei ist, geht die Pflege los“, schilderte Stadtbaumeister Andreas Ockl eine wichtige Aufgabe nach dem offiziellen Ende des Projektes. Zwei Mitarbeiter in der Stadtverwaltung seien ausschließlich dafür zuständig, 100 000 Euro pro Jahr im Haushalt für die erforderlichen Maßnahmen auf dem Gelände ausgewiesen, damit dort die Qualität erhalten bleibe.

Regelmäßige Evaluierungen seien notwendig, um auf einem guten Weg zu bleiben, betonte Bürgermeister Franz Stahl, der sich 2022 zum zweiten Mal um eine Landesgartenschau beworben hat, Freyung aber den Vorzug bekam. Tirschenreuth zieht seine Vorhaben trotzdem durch. So entsteht zum Beispiel im Turm der stillgelegten Brauerei Schels ein Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins; die frühere Fronfeste wurde saniert und zum digitalen Bildungsstandort ausgebaut. Die Empfehlung von Franz Stahl: Mut beweisen, sich nicht von den Kosten kopfscheu machen lassen: „Geld ist oft nur ein vorgeschobenes Argument. Entscheidend ist, ob man etwas wirklich will!“ Stahl ist von dem Vorhaben in Furth im Wald überzeugt: „Es wird hinterher eine neue Zeitrechnung geben: vor der Landesgartenschau, nach der Landesgartenschau!“ Das Fazit bei der Further Gruppe: So viel Begeisterung macht Mut!